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Lohnungerechtigkeit im Jahr 2020

Wäre es nicht eine tolle Idee, der Equal Pay Day läge im Januar?

Wir leben im 21. Jahrhundert in einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen nach dem Grundgesetz nicht nur in allen Dingen gleichgestellt sind, sondern die Durchsetzung dieser Gleichberechtigung sogar explizit vom Staat gefördert werden soll.

 

Doch die Fakten zeigen leider, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.

Der durchschnittliche Stundenlohn liegt laut statistischem Bundesamt bei Frauen mit 17,09€ knapp 21% niedriger als der der männlichen Bevölkerung (21,60€). Dieser Wert ist seit 2006 um gerade einmal 2% gesunken. Schlüsselt man die Lohnunterschiede nach Branche und Qualifikation auf, liegt der Unterschied noch immer bei 5-7%- eine Differenz, für die es zwar Gründe, aber keine Rechtfertigungen gibt.

Vor allem, um der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen und familiären und persönlichen Verpflichtungen nachkommen zu können, arbeiten nach Umfragen der Eurostat 47% der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit. Bei Männern ist es gerade einmal jeder Zehnte.

 

Insbesondere beim Lebenserwerbseinkommen, das den Verdienst zwischen Berufseinstieg und mindestens 30 Arbeitsjahren darstellt, sind die Unterschiede nach Berechnungen des hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI) extrem: Frauen erhalten nur 49, 8% von dem, was Männer im Laufe des Arbeitslebens an Einkommen erzielen.

Die Gründe für die Lohn- und Beschäftigungsunterschiede liegt hauptsächlich in der Branchenzugehörigkeit, dem Berufsfeld an sich und der Betriebsgröße, aber auch an der Erfahrung im Arbeitsmarkt, die bei Frauen wegen Teilzeitarbeit und Schwangerschaften teilweise geringer ausfällt. Auch, dass Führungspositionen zu gerade einmal 29% (Eurostat) von Frauen besetzt werden, drückt das Durchschnittsgehalt der weiblichen Arbeitnehmerinnen nach unten.

 

Vor allem aber sind es Vorurteile und veraltete Geschlechterrollen, die sich, trotz eindeutiger Widerlegung, halten. Sie beeinflussen nicht nur die Berufswünsche von Kindern und jungen Erwachsenen schon im Vorhinein, sondern auch die Bewertung im Berufsleben, wenn es um Einstellungskriterien und Beförderungsentscheidungen geht.

Das kann und darf so nicht bleiben! Deshalb setzen sich die SPD und Jusos für die Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung jedes Menschen unabhängig von Geschlecht und Geschlechtsidentität ein!

 

Hierzu haben wir von der SPD folgende Forderungen:

  • eine bessere Entlohnung und Ansehenssteigerung der typischen „Frauenberufe“, da der Anteil von Frauen im Niedriglohnsektor überproportional hoch ist
  • die Förderung von weiblichen Professuren und Frauen in Führungspositionen, insbesondere an Hochschulen
  • eine verstärkte Beteiligung von Frauen auf kommunalpolitischer Ebene
  • die zusätzliche Förderung von weiblich geführten Start-Ups und Unternehmensgründungen
  • der Kampf gegen die „Teilzeitfalle“
  • ein kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln für Frauen mit niedrigem Einkommen zur besseren Familien- und Lebensplanung
  • eine bessere Erwerbsbeteiligung von Frauen durch Ausbau der Ganztags- und Randzeitenbetreuung und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle
  • die weitere Förderung für Frauen in MINT und Männern in Sozialberufen

Zusätzlich fordern wir als Jusos:

  • Die Unterstützung der Familie zur Entlastung der Frau
    • Kinderbetreuung ab null Jahren gebührenfrei
    • Verbesserung der ambulanten, teilstationären und stationären Betreuung Älterer und Pflegebedürftiger
    • Flexible Arbeitszeiten
    • Pflegezeit wie Elternzeit (bzw. Pflegegeld wie Kindergeld mit Lohnersatz- oder Lohnergänzungsfunktion)
    • mehr Ganztagsangebote für Kinder
  • endlich eine Aufhebung der Lohndiskriminierung
  • eine höhere Grundsicherung, um (weibliche) Altersarmut zu verhindern

Das Thema der Gleichberechtigung geht uns alle etwas an, denn wir alle - unabhängig von Geschlecht, Alter, Beruf, Bildung und Herkunft - sind davon betroffen. Und wir alle können etwas dafür tun: dem Alltagssexismus den Kampf ansagen, die veralteten Kommentare von Kolleg*innen, Freund*innen oder Familie nicht einfach akzeptieren und vor allem die Probleme ansprechen und das Bewusstsein der Menschen gegen die Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Vorurteile stärken, denn auch der größte gesellschaftliche Wandel beginnt in unseren Köpfen.